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Humboldt-Universität zu Berlin - Öffentliches Recht und Geschlechterstudien

Wissenschaft, Inter- / Transdisziplinarität

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... das Forschungsfeld Wissenschaft, Inter- und Transdisziplinarität

Inter- und Transdisziplinarität sind häufig gebrauchte Schlagworte in Diskussionen um neue Anforderungen an Hochschulen. Tatsächlich entstehen immer mehr fächerübergreifende Institute und Zentren, die so arbeiten: inter- oder transdisziplinär. Es bedeutet in erster Linie, mit unterschiedlichen Disziplinen ins Gespräch zu kommen. Interdisziplinarität wird dabei als eine Art Kooperation oder auch Zusammenspiel zwischen verschiedenen Disziplinen verstanden, während Transdisziplinarität auch die übergreifende Kritik und Reflexion wissenschaftlichen Arbeitens betont. Die Gender Studies an der Humboldt- Universität sind dafür ein gutes Beispiel: Im Gespräch zwischen Forschenden und Lernenden unterschiedlicher Fachrichtungen entstehen nicht nur neue Erkenntnisse und weitere Fragen, sondern auch kritische Reflexionen auf eigene Fragestellungen, Methoden und Aussagen. Kurz ließe sich auch formulieren: Während interdisziplinäre Arbeit auf ein Mehr an Erkenntnis setzt, zielt transdisziplinäre Arbeit auf andere Erkenntnisse. Das bedeutet also, thematisch und methodisch über die Grenzen der eigenen Disziplin hinauszugehen, sich dabei aber stets der eigenen disziplinären Verortung bewusst zu sein. Das verlangt eine Haltung (selbst)kritischer Reflexion über die Potenziale und Grenzen der eigenen sowie anderer Disziplin(en); es berücksichtigt deren historische Entwicklung und kulturelle Einbettung. Disziplinen werden als Orte der Orientierung, Identifikation und Ressourcen geschätzt, aber dennoch als stetig im Wandel befindlich begriffen.

In der Rechtswissenschaft gibt es eine intensive Diskussion um den Wert und die Möglichkeiten inter- oder transdisziplinärer Arbeit. Übergreifend wird in der Rechtssoziologie, der Rechtspolitologie oder der Rechtsphilosophie und –theorie gearbeitet; transdisziplinäre Züge tragen Ansätze wie Comparative Constitutionalism und unterschiedliche kritische Rechtstheorien. Diese nehmen zudem Erkenntnisse auf, die in den transdisziplinären Gender Studies – auch in den „critical race studies“, in postkolonialen Studien, in der „queer theory“ oder in den „disability studies“ entwickelt werden.

Inter- und transdisziplinäre Arbeit zu Rechtsfragen ist oft zwingendes Erfordernis, um adäquat be/urteilen zu können. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele: Für eine sinnvolle Auseinandersetzung über Antidiskriminierungsrecht werden Kenntnisse aus den Sozialwissenschaften, der Geschichtswissenschaft und den Religionswissenschaften ebenso benötigt wie juristische Kenntnisse. Umgekehrt muss für eine feministische Analyse zum Verhältnis von öffentlicher und privater Sphäre am Beispiel der Gewalt gegen Frauen juristisch geklärt werden, inwiefern das Private „ungeregelt“ und das Öffentliche „geregelt“ ist, um zu erkennen, dass unterschiedliche rechtliche Strukturen unterschiedliche Ideologien transportieren. Die (geregelte) Ehe war lange ideologisch privat und damit per se selbstbestimmt, die (ungeregelte) Gewalt ideologisch Gegenstand staatlichen Interesses und damit per se sanktioniert – aber im Geschlechterverhältnis ist dann doch alles anders, nämlich hierarchisch konstruiert.

Inter- und transdisziplinäres Arbeiten stößt immer auch auf Schwierigkeiten und Grenzen, die persönlich oder institutionell bedingt sein können. Hier wirken Traditionen und Vorverständnisse. Es bedarf also spezifischer Fähigkeiten, um die eigene Disziplin kennen und doch überschreiten zu können, nämlich „transdisziplinärer Kompetenz“. Das ist wichtiger Bestandteil des Studiums der Gender Studies an der HU.

In den USA sind online-Tutorials entwickelt worden, die sich mit Gender in der Wissenschaft befassen. Sie finden das Material hier.

 

Materialien des Lehrstuhls:

  • Baer, Susanne: Country Report Germany, in: Europäische Kommission (Hg.); Mapping the Maze: Getting more Women to the Top in Research, Bericht der Expertengruppe Women in Research Decision Making, S. 49-51 (pdf download).
  • Baer, S.: Chancengleichheit und Gender-Forschung: Die deutsche Wissenschaft braucht eine Qualitätsoffensive. Impulsreferat zur Konferenz im Rahmen der Deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 18./19.4.2007 in Berlin"Gender in der Forschung -- Innovation durch Chancengleichheit". (pdf download)
  • Baer, Susanne: Geschlechterstudien/Gender Studies: Transdisziplinäre Kompetenz als Schlüsselqualifikation in Wissensgesellschaften. In: Kahlert, Heike/Thiessen, Barbara/Weller, Ines (Hrsg.): Quer denken – Strukturen verändern. Gender Studies zwischen Disziplinen. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 2005 (im Erscheinen).
  • Baer, Susanne: Interdisziplinierung oder Interdisziplinarität – eine freundliche Provokation. ZiF-Bulletin 19 (1999): 77-82.
  • Hrzán, Daniela: Gender Goes Multimedia: Chancen multimedialer Lehre für die Umsetzung von Transdisziplinarität in den Gender Studies. In: Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin (Hrsg.): Geschlechterstudien im deutschsprachigen Raum. Studiengänge, Erfahrungen, Herausforderungen. Dokumentation der gleichnamigen Tagung vom 4.-5. Juli 2003. Berlin 2004, 114-118.

 

Weiterführende Materialien:

 

Internet-Ressourcen: